Wie immer im April der Hannover Marathon. Die Bilder haben fast symbolhaften Charakter. Kein Auto auf der Straße und die Läufer überholt von der Stadtbahn. Nur der Mensch und der öffentliche Nahverkehr. Ein unerfüllter Wunschtraum unseres Oberbürgermeisters. Politisch kaum denkbar in Hannover, der autogerechten Modellstadt der Nachkriegszeit. Auch die sonst zugeparkten Randbereiche sind belegt von mobilen Musik- und Grillanlagen, Sambagruppen und Campingstühlen. Was für eine Vision. Leider nur ein Tagtraum. Ein paar ver(w)irrte Autofahrer stehen wie jedes Jahr vor den Absperrungen der Laufstrecke und jammern aus ihrem Cockpit heraus über das Schicksal der vorübergehend verloren gegangenen Mobilität des motorisierten Individualverkehrs und den fremdbesetzten Parkraum des ruhenden Verkehrs. So viele schlaue Worte für fehlgeleitete Verkehrskonzepte in so vielen Städten.
Am Samstag davor eine Demonstration in Hannover Linden. Der Effekt ähnlich. Viele Menschen in Bewegung auf autofreien Straßen rund um den Lindener Markt. Allerdings etwas anders gekleidet als auf der Sportveranstaltung. Natürlich war uns das Thema des politischen Events wichtig, aber irgendwie habe ich es auch genossen, mal völlig gedankenlos und versunken mitten auf offener Straße mit träumerischem Blick nach oben ohne Autos im Rücken mir meine Stadt aus einer ganz neuen Perspektive anzuschauen. Die politische Aufgabe der Veranstaltung war zu prüfen. Also habe ich auch die Stadt geprüft aus einem ganz neuen Blickwinkel. Und zusätzlich gab es noch ganz viele Farben auf Mützen, Kleidung und Fahnen. Schon wieder mitten im Regenbogen. Alles sehr bunt wie auch die lindgrüne Demonstrationsfahne zur Rettung der Mumins. Mumins sind übrigens nilpferdartige Trollwesen aus Finnland. Artenrettung und Ökologie waren zwar nicht zentrale Themen der Demonstration, aber den beiden duplizierten Fahnenträgern war es anscheinend wichtig, Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Vorbei ging der Zug an der utopischen Bauruine Ihme Zentrum. Die Stammgäste aus der Kneipe Bei Elena schauten ungläubig auf die Straße. Gehören da nicht eigentlich die Autos hin? Mir hat der neue Blick gefallen.







