Die Fröhliche Moderne

Staunend lief sie mit uns über die bunten, geometrischen Muster der Linoleumböden. Durch das luftig leichte Foyer, über die geschwungene Freitreppe, vorbei an den kleinen runden Bullaugen der Aufzugtüren. Die Stimmung der Räume schien sie fröhlich zu machen. Das Mädchen war im Grundschulalter und mit Abstand die jüngste Teilnehmerin der Architekturführung. Während wir alle den Informationen zu Brandschutz und Bautechnik lauschten, tauchte sie ein in die Farben und Formen. Fast wäre ich neidisch geworden auf ihre unbefangene Wahrnehmung.

Wir waren zu Gast bei Ernst Zinnser, einem der wichtigsten Architekten der Hannoveraner Nachkriegszeit. Sein Continentalhochhaus von 1953, heute ein Universitätsgebäude, wurde gerade denkmalgerecht saniert. Die angenehme Sparsamkeit der Materialien ist geblieben. Eine Architektur der Wiederaufbauzeit, die Optimismus und Zuversicht ausstrahlt. Und ein kluges Mädchen, das genau das spürt. Darüber hätte sich Zinnser sicher gefreut. Was könnte eine Architektur besser beschreiben, als die Freude eines einzelnen Menschen.

Interessant, dass die heiteren Fußböden im Original aus Kautschuk hergestellt waren. Der Bauherr Continental setzte damals natürlich das eigene Produkt ein. Die Universität wechselte jetzt zur Sanierung auf Linoleum, da die von ihr beauftragten Reinigungsunternehmen mit diesen Oberflächen vertrauter sind.

Und Martin – du hast recht. Sie ist fröhlicher als ihr Vorbild, diese Neue Moderne der 50er Jahre. Eigentlich erstaunlich für eine schwere Zeit. Viel Spaß mit deinem neuen Eiermann Schreibtisch…

Grandios ist der 360 Grad Blick aus dem 14. Geschoss. Hannover, diese angeblich so durchschnittliche Stadt, zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die barocke Lindenallee streckt sich endlos bis zum Horizont. Das andere Ende der Allee ist auch deshalb so interessant, weil der Kiosk dort frische Brezel und Aperol mit gefrosteten Gläsern verkauft.